Letzte Klappe für LIEBER THOMAS

von RS am 07.12.2019

Ein Film über das Leben von Thomas Brasch / gedreht an Originalschauplätzen / Kinostart 2020 durch Wild Bunch.

Sein eigener Vater verriet ihn, er wurde vor Gericht gebracht und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt: Thomas Brasch. In der DDR konnte der Lyriker, Dramatiker und Filmemacher nicht bleiben. Doch auch im Westen fehlte ihm der Widerstand. Brasch blieb Zeit seines Lebens ein deutsch-deutsches Enfant terrible, dessen Leben eng mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts verknüpft ist – und dessen Werk immer noch einen Nerv trifft. In New York fiel vergangene Woche die letzte Klappe für LIEBER THOMAS (Arbeitstitel), den ersten Spielfilm über das Leben des Autoren mit Albrecht Schuch in der Hauptrolle und Peter Kremer, Jella Haase und Jörg Schüttauf in weiteren tragenden Rollen. Kinostart ist 2020 im Verleih von Wild Bunch Germany.

Unter der Regie des Emmy- und Grimme-Preisträgers Andreas Kleinert drehte das Filmteam seit Ende September vor allem an Originalschauplätzen in Berlin, unter anderem am Berliner Ensemble, am Schillertheater, im Tränenpalast, im Kino International, in Hohenschönhausen sowie an der Karl-Marx-Allee. Weitere Aufnahmen entstanden in Nordrhein-Westfalen in Köln, Solingen und Bochum sowie in Cannes, Breslau, Liegnitz, in Brandenburg und an der Ostsee.

Lieber Thomas
Albrecht Schuch, Regisseur Andreas Kleinert, Ioana Iacob, Christian Granderath (NDR), Petra Müller (Film- und Medienstiftung NRW), Till Derenbach und Michael Souvignier (Zeitsprung) am Set von LIEBER THOMAS (AT) in Köln (v.l.n.r.), Foto: Zeitsprung Pictures / Peter Hartwig


Thomas Brasch konnte in wenigen Zeilen mehr erzählen als andere in ganzen Büchern. Seine Texte über die Liebe, die Revolte und den Tod begeistern noch heute. Doch Brasch passte in kein System. Er protestierte gegen sowjetische Panzer in Prag und wurde von der Filmhochschule der DDR ausgeschlossen. Sein eigener Vater, stellvertretender Kulturminister des sozialistischen Deutschlands, brachte ihn ins Gefängnis. Seine Erzählungen konnten im Osten nicht erscheinen. Nach seiner Übersiedlung wurde Brasch im Westen gefeiert als jemand, der er nicht sein wollte - mit seinem Erzählband „Vor den Vätern sterben die Söhne“ kam er sofort zu Ruhm und mit seinem Debütfilm wurde er zu den Filmfestspielen nach Cannes eingeladen. Doch die Zerrissenheit blieb.

LIEBER THOMAS zeigt das Leben und die Träume eines Mannes, für den jede Welt immer zu klein war. Der Grenzen überwand und dabei auch Schäden verursachte. In Schwarz-Weiß gedreht, lässt uns LIEBER THOMAS einen Künstler wiederentdecken, der die deutsch-deutsche Zerrissenheit wie nur wenige vor und nach ihm verkörperte.